Michael Thonet, Designer

Michael Thonet, Designer

Michael Thonet

Michael Thonet der aus Andernach stammte welches in der idyllischen Landschaft des Rheintals liegt und 1796 nach Boppard übersiedelte. Er begann seine Kariere mit einer Tischlerlehre und machte sich 1819 als Bau- und Möbeltischler selbstständig. Ein Jahr später heiratete Michael Thonet Anna Grahs. Mit ihr hatte er sieben Söhne, von denen zwei allerdings bereits im Kleinkindalter starben. Auch seine sechs Töchter überlebten das Kleinkindalter nicht.

Thonets Arbeit wurde geschätzt, und seine Produkte fanden auch in den benachbarten Städten am Rhein und im ganzen Moselgebiet Käufer. Von Anfang an war er um Qualität und Innovationen bemüht. Um 1830 begann Thonet mit Versuchen, aus verleimten und gebogenen Holzleisten Möbel herzustellen. 1836 hatte er mit dem Bopparder Schichtholzstuhl einen ersten Erfolg. Den für diese Arbeitsweise benötigten Leim lieferte die Michelsmühle aus Boppard. Versuche, sich sein Verfahren 1840 in Preußen sowie 1841 in Großbritannien, Frankreich und Russland patentieren zu lassen, scheiterten.

Auf der Koblenzer Gewerbeausstellung im Jahre 1841 machte Thonet die Bekanntschaft von Fürst Klemens Wenzel Lothar von Metternich, der von Thonets Möbeln begeistert war. Er soll zu Thonet gesagt haben: „In Boppard werden Sie immer ein armer Mann bleiben. Kommen Sie nach Wien.“ Er lud Thonet an den Hof nach Wien ein. Dieser nahm an und konnte schon im darauffolgenden Jahr seine Möbel, speziell seine Stühle, dem Kaiserhaus vorstellen.

Als der Betrieb in Boppard in eine finanzielle Krise geriet, wurde sein Eigentum gepfändet und versteigert. Thonet wanderte samt seiner Familie 1842 nach Wien aus. Zunächst fertigte er dort nur billige Stühle für den Möbelhändler Clemens List, die guten Absatz fanden. Auf dessen Empfehlung hin nahm er Kontakt zum englischen Architekten P.H.Desvignes auf, der ihn an die Werkstatt Leistler empfahl. In den Jahren 1843 bis 1846 arbeitete Thonet gemeinsam mit seinen Söhnen für den Betrieb Carl Leistler an der Innenausstattung des Stadtpalais Liechtenstein.

1849 wagte er wieder die Selbstständigkeit und gründete eine eigene Werkstätte, die er bereits 1853 in einem Gesellschaftsvertrag an seine Söhne als zukünftige Inhaber übertrug. In der Firma Gebrüder Thonet behielt er aber bis zu seinem Tode die oberste Leitung. Bereits 1850 entstand sein Stuhl Nr.1. Bei der Londoner Industrieausstellung 1851 bekam Thonet für seine Vienna bentwood chairs eine Bronzemedaille und schaffte damit auch seinen internationalen Durchbruch. Bei der nächsten großen internationalen Leistungschau, der Weltaustellung in Paris 1855, erreichte er bereits eine Silbermedaille. Er verbesserte ständig seine Produktionsmethoden und konnte bereits 1856 eine weitere Fabrik in Koritschan, Mähren eröffnen. Zu ihr gehörten ausgedehnte Buchenwälder, die große Bedeutung für die Fabrikation hatten.

Der 1859 entwickelte Stuhl Nr. 14 – besser bekannt unter Konsumstuhl Nr. 14 – gilt bis heute als Stuhl aller Stühle; bis 1930 wurden von ihm ca. 50 Mio. Stück produziert und verkauft. Die Firma Gebrüder Thonet erzielte mit diesem Entwurf bei der Weltausstellung in Paris 1867 eine Goldmedaille. Mit wachsendem Erfolg wurden auch Adel und der kaiserliche Hof beliefert. Die Gebrüder Thonet wurden zu k.u.k. Hoflieferanten ernannt.

Gruft der Familie Thonet auf dem Wiener Zentralfriedhof

Am 10. Januar 1862 verstarb seine Frau. Thonet vergrub sich noch mehr in seine Arbeit und war auch in der Folge an allen Geschäftsgründungen und Neuentwicklungen maßgebend beteiligt. Nach Aussagen von Besuchern und Mitarbeitern hielt er sich oft in seinem Arbeitsanzug auf dem Betriebsgelände auf, was gelegentlich zu Verwechslungen führte. In Anekdoten wird berichtet, dass er auf die Frage nach der Firmenleitung Besucher immer an seine Söhne verwies, ohne selbst erkannt zu werden.

Gegen Ende des Jahres 1870 zog sich Thonet bei der Besichtigung eines Waldes in Ungarn eine Erkältung zu, von der er sich nicht mehr erholte. Im Alter von 75 Jahren starb Michael Thonet am 3. März 1871 in Wien. Zu diesem Zeitpunkt unterhielt die Fa. Gebrüder Thonet Verkaufsstellen in Barcelona, Brüssel, Bukarest, Chicago, Frankfurt am Main, Graz, Hamburg, London, Madrid, Marseille, Moskau, New York, Neapel, Odessa, Paris, Prag, Rom und Sankt Petersburg sowie zahlreiche Werke vor allem in Mittel- und Osteuropa.

Seine erste Grabstätte war auf dem Sankt Marxer Friedhof in Wien. 1888 wurde Michael Thonet umgebettet in die Familiengruft auf dem Wiener Zentralfriedhof.

Im Jahr 1953 wurde im 22. Wiener Gemeindebezirk Donaustadt die Thonetgasse nach ihm benannt.