Josep Lluscà, Designer

Josep Lluscà, Designer

Josep Lluscà ist der Prototyp des professionellen Industriedesigners. Besonnen, methodisch, technisch versiert und rentabel für die Unternehmen, für die er arbeitet. Noch bevor der Mensch den Mond zum ersten Mal betrat, studierte Lluscà bereits an der Eina-Schule in Barcelona, erweiterte sein Wissen an der L’École des Arts et Métiers in Montreal, Kanada, und begann seine eigentliche berufliche Laufbahn schließlich 1972. 

1990 wurde Lluscà mit dem Nationalen Designerpreis ausgezeichnet. Einfluss darauf hatte auch sein begeistert aufgenommener Stuhl Andrea, mit dem es ihm gelungen war, den dreibeinigen Stuhl wieder aufzuwerten. Andrea beeindruckte durch große Stabilität, Ergonomie und Schönheit, wurde aber dennoch von dem Unternehmen, für das der Stuhl ursprünglich entworfen worden war, abgelehnt. 1988 aber fand Andrea seinen Platz im Katalog von Andreu World: er wurde adoptiert, um so die wagemutige Entschlossenheit für gutes Design zu würdigen. Und der Stuhl ist immer noch präsent. Schön wie eh und je und gerade volljährig geworden. 

Andrea wurde ausgehend von einer empirischen Studie der Schwerpunktzentren des Stuhls geschaffen. Die ausgeprägte Ellipse, die Rücken- und Armlehnen beschreibt, verhindert Bewegungen, die das Gleichgewicht stören könnten. Zweifellos einer der Erfolgsaspekte, aber nicht der einzige. Nimmt man als historischen Bezugspunkt den Stuhl Calvet von Gaudí, so hat Lluscà mit Andrea eine ästhetische Versöhnung zwischen Erinnerung und Gegenwart geschaffen. 

Einerseits sind da die aus massivem Holz geschaffene Rückenlehne und Sitzfläche, die uns zum Kontakt mit der natürlichen Körperlichkeit des Objekts einladen und den organischen Charakter der Form hervorheben. Andererseits bedient sich das Metallgestell der technologischen Leichtigkeit unserer Epoche (Beine aus konischem Rohr) und der beinahe himmlischen Eleganz der Edelmetalle (Armlehnen aus Gussaluminium). Über die reine Nutzung hinaus ist es eben diese Kompensation von Masse und Leere, die Andrea ein skulpturelles Aussehen verleiht. Über das eigentliche Aussehen hinaus vermittelt das Spiel aus Formen und Referenzen jene sinnlichen Qualitäten, die mit dem Erbe der mediterranen materialen Kultur assoziiert werden.