Herbert Hirche, Designer

Herbert Hirche, Designer

Herbert Hirche

Der Architekt und Produktdesigner Herbert Hirche wurde am 20.5.1910 in Görlitz geboren.

Nach einer Tischlerlehre im Jahr 1924 ging er – ganz klassisch altdeutsch – für fünf Jahre auf die Wanderschaft, die „Walz“ des Jung-Gesellen. Als wollte er die kulturgeschichtliche Spannbreite von Handwerk bis Industrie voll ausloten, studierte er von 1930 bis 33 am Bauhaus in Dessau und in dessen Zweigstellen in Berlin. Zu seinen Lehrern am Bauhaus gehörten der Maler und Formmeister Wassily Kandinsky und der letzte Bauhaus-Direktor Ludwig Mies van der Rohe, für den er bis zu dessen Emigration 1938 im Berliner Büro tätig war.

Von 1939 bis 1945, also während des ganzen 2. Weltkriegs, war Hirche als Architekt für Egon Eiermann und Hans Scharoun tätig. Beliebt und bekannt war er in der Zeit von 1945 bis 1948, als er als Hauptreferent beim Planungsamt den Wiederaufbau des zerstörten Berlin leitete. Hiernach berief ihn die Hochschule für Angewandte Kunst in Berlin-Weißensee in die Professur, die er im Jahr 1950 nach Unstimmigkeiten zum Bau der Stalinallee niederlegte.

Von 1952 bis 1975 war Herbert Hirche Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, wo er Innenarchitektur und Möbelbau lehrte. Als ihm die Akademie zwei  Jahre später die Ehrenmitgliedschaft verlieh, bezeichnete  der Rektor Hirche als „letzten Bauhäusler vom Weißenhof“, eine durchaus ernst gemeinte und treffende Würdigung, die aber in der Folge oft missverstanden und auf Herbert Hirche im negativen Sinn angewandt wurde.

Herbert Hirches großer Einfluss auf das Produktdesign der Nachkriegszeit wird besonders an seinen Radio- und Fernsehgeräten für die Firma Braun sinnfällig. Vor dem Horizont der 50er-Jahre-Cocktailsessel und Nierentische verliert man allerdings leicht aus den Augen, dass Hirche auch schon das System modular zusammensetzbarer Möbel andachte und damit für Deutschland schon früh „Ikea-Ideen“ einleitete. Als einer der Designer Fritz Hahnes war Hirche zudem mitverantwortlich für die Entwicklung ergonomischer Büromöbel – Innovationen, die erst seit neuester Zeit den Markt dominieren.

Herbert Hirche war in den 50er Jahren Mitglied des Deutschen Werkbundes und gehörte in den 60ern dem Deutschen Rat für Formgebung an. Kubische Grundstrukturen zeichnen die Architektur wie das Produktdesign Hirches aus.

Als ein Beispiel unter vielen sei der kleine Servierwagen von 1956 für Christian Holzäpfel erwähnt. Klassisches Stahlrohr fasst zwei klare Glasebenen ein, die obere Ebene ist kleiner und lässt eine rechteckige Fläche zum Durchgreifen frei, so dass das Wägelchen in seiner klaren Anmutung an die kubischen Bilder Kandinskys und Klees gemahnt, beide zu ihrer Zeit Formmeister des Bauhauses. Anlässlich von Hirches 100. Jubiläum seiner Geburt setzte die Firma Lampert  den Servierwagen limitiert in ihr Portfolio.

Herbert Hirche starb – zu Unrecht etwas vergessen – am 28.1.2002 in Heidelberg.